Wie man aus einem veralteten Korporationshaus neue funktionsgerechte Räume
macht
Am
24. November 1997 fiel der erste Stein dem Abbruchhammer zum Opfer. 6 Monate
später konnte ein grundlegend verändertes und modernisiertes Pommernhaus wieder
seiner Zweckbestimmung übergeben werden. Vorausgegangen waren 3 Jahre der
Bestandsaufnahme, Konzept und Entscheidungsfindung innerhalb der Altherrenschaft
sowie Planung, Genehmigung und Ausschreibung durch ein eigens hierfür gebildetes
Team.
Das Pommernhaus war 1961 erbaut worden und wurde seither ununterbrochen
intensivst genutzt. Sowohl hinsichtlich der Bausubstanz als auch hinsichtlich
des Zuschnitts wurden seinerzeit sparsamste Maßstäbe angelegt. In dem 4stöckigen
Gebäude waren neben den Gemeinschaftsräumen Kneipkeller, Foyer,
Aufenthalts/Sitzungsraum, Hausmeisterwohnung, je eine Toilette pro Etage, eine
Besucher/Damentoilette und ein Gemeinschaftsduschraum für das ganze Haus sowie
dem Paukboden und 10 Studenteneinzelzimmer von je 8 bis 10 qm Nutzfläche
eingerichtet. Von kleineren Instandhaltungs- oder Einrichtungsmaßnahmen
abgesehen, wurde das Gebäude in 37 Jahren als Studentenwohnheim mit
Korporationsbetrieb nie wesentlich verändert oder erneuert.
Es war klar, dass neben dem materiellen Verschleiß auch viel an Attraktivität
verloren gegangen war. Mit derart spartanisch ausgestatteten Zimmern, ohne
Warmwasseranschluss, ohne Schalldämmung, ohne eigene Toilette ist eine
Vermietung kaum noch möglich, zumal der Wohnungsmarkt in den letzten Jahren eher
von Überangebot an vergleichsweise attraktiverem Wohnraum auch im
Studentensektor gekennzeichnet ist. Neben einem Umbau standen auch die Varianten
Verkauf und Neubau sowie Verkauf und Kauf plus Umbau/Renovierung eines anderen
Hauses zur Debatte. Sie wurden jedoch aus Kostengründen verworfen. Mit dem dann
entschiedenen Institut Umbau konnte außerdem der u. E. ideale Standort in
unmittelbarer Nähe der Hochschule und des Stadtzentrums gewahrt bleiben.
Mit der Planung, Statik und Bauüberwachung wurde das Architekturbüro Schaefer
in Aachen beauftragt. Die Modernisierung erforderte eine neue Fassadengestaltung
und eine Grundrissänderung vom Erdgeschoss bis zum Dachgeschoss (vgl.
Abbildungen).
In die vorhandene Dachkonstruktion - Kehlbalkendach - wurde der Einbau einer
Dachgaube mit Hilfe einer kombinierten Stahl-Holz-Pfette realisiert. In
kombinierter Stahl-Stahlbeton-Bauweise wurde der Erker des 2. und 3.
Obergeschosses konstruiert, gleichzeitig nutzbar als Balkon für die Dachgaube.
Die Ausfachungen in der Fassade wurden mit Porenbetonblocksteinen mit
Wärmedämmverbundsystem ausgeführt.
Die Beschichtung der Fassade wurde reinigungsfreundlich gewählt;
Beschmierungen können leicht entfernt werden. Bei der Grundriß-Neugestaltung
wurde darauf geachtet, dass nur nichttragende Bauteile abgebrochen werden
mussten.
Der für den einzelnen Raum bewusst grosszüge Zuschnitt wurde bautechnisch mit
Ständerwänden im Treppenhaus und Trennwänden zwischen den Appartements
hergestellt.
Dabei wurden auch die heutigen Anforderungen an den Brand- und den
Schallschutz (F 90 bzw. Luftschalldämm-Maß 52 dB) implementiert. Die
Bauaufsichtsbehörde verlangte außerdem den Einbau einer
Rauch-Wärme-Abzugseinrichtung für das Treppenhaus. Zu den uns wichtigsten
Neuerungen gehörte die Integration einer jeweils eigenen Nassraumeinheit mit
moderner und qualitativ hochwertiger Dusch- und WC-Ausstattung je Appartement.
Gleichermaßen modernisiert und ergänzt wurden die zusätzlichen Etagentoiletten,
die von Gästen und Besuchern benutzt werden. Sämtliche Appartements und die
Gemeinschaftsräume oberhalb des Kellergeschosses erhielten eine neue Möblierung
bzw. Wand- und Bodenbekleidung (Laminatboden) und nicht zuletzt neue
Beleuchtungskörper.
Neben
den bausubstantiellen, ergonomischen und sicherheitstechnischen Errungenschaften
glauben wir, mit der vorgenommenen Gestaltung eine optimale Ausschöpfung der
begrenzten räumlichen Möglichkeiten im Hinblick auf die Anforderungen, die aus
der Doppelfunktionalität des Hauses, nämlich Studentenwohnheim und
Korporationshaus in einem zu sein, erreicht zu haben. Raumgröße, Helligkeit,
Schallschutz, individuelle Sanitärmöglichkeit und -modernität bieten die
Voraussetzungen für ein physiologisch wie psychologisch sehr gutes Wohnempfinden
sowohl in den Individual- wie in den Gemeinschaftsräumen.
Gerade unter den heutigen Studienbedingungen erscheint dies trotz der damit
notwendigerweise einhergegangenen Reduzierung der Zahl der Wohnplätze von 10 auf
6 nicht nur gerechtfertigt, sondern geradezu geboten. Die ab dem Wintersemester
98 seit Jahren erstmals wieder eingetretene Vollbelegung der Zimmer scheint die
mit dem gewählten Konzept verbundenen Hoffnungen zu erfüllen.
Die Miete ist gleichwohl für die Studenten bezahlbar gehalten worden. Auf den
Quadratmeter bezogen wurde der mittlere Mietzins trotz der radikalen technischen
Inwertsetzung nur mäßig angehoben. Dies ist natürlich wie vorher nur durch die
massive Förderung über AHV plus Förderverein möglich, wurde aber auch durch eine
intensive organisatorische Begleitung der Maßnahme durch eine engagierte Gruppe
Alter Herren während der Planung und des Baus sowie durch ein hohes Maß an
Baueigenleistungen zupackender Aktiver und Mitbewohner über dadurch eingesparte
Baukosten begünstigt.
Rückblickend kann gesagt werden, dass die Entscheidung zum Umbau richtig war.
Wie ein bekanntes Sprichwort sagt, wohnt nur in einem gesunden Körper ein
gesunder Geist.
Dies lässt sich zweifelsohne auf ein Verbindungshaus übertragen. Jedenfalls
ist für die nächsten Jahrzehnte wieder die Chance gegeben, das Bundesleben der
Pommern an ihrem Hochschulort mit dem gewohnten Erfolg fortzusetzen und damit
die Traditionen auch des CC durch den einzigen CC-Bund am Ort langfristig zu
fortzupflegen und Flagge zu zeigen.
M. R. Z!
AHC der L! Pomerania
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